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Andacht für den ersten Sonntag nach Ostern, 19.04.2020

17. April 2020 - 20:35 -- Robert Stenzel

Andacht für den Ersten Sonntag nach Ostern
(Quasimodogeniti/ „Weißer Sonntag“)

Ingo Zipkat, Pastor

Statt einer Begrüßung

Text 1 Ransmayr

Text 2 Ransmayr
(Christoph Ransmayr, Atlas eines ängstlichen Mannes 2012)

 

Psalm: Psalm 116 i. A.

Das ist mir lieb,
dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört.
Denn er neigte sein Ohr zu mir;
darum will ich mein Leben lang ihn anrufen.
Stricke des Todes hatten mich umfangen, / des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen;
ich kam in Jammer und Not.
Aber ich rief an den Namen des Herrn:
Ach, Herr, errette mich!
Der Herr ist gnädig und gerecht,
und unser Gott ist barmherzig.
Der Herr behütet die Unmündigen;
wenn ich schwach bin, so hilft er mir.
Sei nun wieder zufrieden, meine Seele;
denn der Herr tut dir Gutes.
Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,
mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.
Ich werde wandeln vor dem Herrn
im Lande der Lebendigen.
Ich will den Kelch des Heils erheben
und des Herrn Namen anrufen.

Lesung: Jesaja 40 26 – 31

Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen;
aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Lied: EG 108

1. Mit Freuden zart zu dieser Fahrt
laßt uns zugleich fröhlich singen,
beid, groß und klein, von Herzen rein
mit hellem Ton frei erklingen.
Das ewig Heil wird uns zuteil,
denn Jesus Christ erstanden ist,
welchs er läßt reichlich verkünden.

2. Er ist der Erst, der stark und fest
all unsre Feind hat bezwungen
und durch den Tod als wahrer Gott
zum neuen Leben gedrungen,
auch seiner Schar verheißen klar
durch sein rein Wort, zur Himmelspfort
desgleichen Sieg zu erlangen.

3. Singt Lob und Dank mit freiem Klang
unserm Herrn zu allen Zeiten
und tut sein Ehr je mehr und mehr
mit Wort und Tat weit ausbreiten:
so wird er uns aus Lieb und Gunst
nach unserm Tod, frei aller Not,
zur ewgen Freude geleiten.

Evangelium: Johannes 20, 19 – 29

Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.
Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.
Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich's nicht glauben.
Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und glauben!

Gedanken zum Sonntag und Allertage

„Ich sah.“ Beginnen so Ostergeschichten? Auferstehungserfahrungen? Und was bleibt nach den Festtagen, nach all diesen Worten, er sei auferstanden? Kreide auf der Straße und Musik in den Ohren, Lieder und Gebete und Rausch der Sprache, es sei einmal etwas so tröstliches geschehen?

Warum nur fühlt er sich so müde? Kann er nicht einfach glauben, was sie erzählen? Sieht er allein den Dreck auf den Straßen und die Mühe und Not des Neuanfangs? Ist er allein müde all dieser Worte und Reden, es werde schon wieder anders, man müsse nur Geduld haben? Und bis dahin eben glauben, Masken tragen zum Schutz vor dem Bösen…

Er kann manchmal nicht mehr, fühlt sich müde nach diesen Festtagen, von denen andere behaupten, sie seien so besonders gewesen, es wäre alles wieder möglich…

Er geht durch die Straßen und es hat sich nichts verändert. Der Neuanfang ist kümmerlich wie immer, aus den offenen Fenstern der Krebsstation hört er nachts noch immer Schreie, der verlorene Mensch dort im Park hat seine Flasche neben sich, eine Frau stürmt  aus dem Haus, auf der Flucht vor ihrem Partner?

Er sieht die Nachrichten von immer neuen Booten auf dem Meer und immer neuen Toten. Ist müde und mag nicht mehr, nicht mehr aufsehen, das kostet oft schon mehr Kraft als er hat. Immer neue Enttäuschung macht den Kopf schwer und das Herz müde. Jahrhunderte verbinden sich, die Hoffnungsillusionen aller Jahrhunderte, in Babylon, in Jerusalem, in Parchim, in…

Er mag es sich nicht leicht machen. Wenn ich nicht sehe… Wenn ich Liebe nicht sehe, wenn ich nicht sehe, dass Wunden und Narben aufgehoben sind in Leben, in ewiges Leben, wenn ich nicht spüre diesen Wind der Veränderung, wenn ich nicht sehe, dass Menschen nicht einfach untergehen auf dem Sehnsuchtsweg nach Frieden und Freiheit, wenn die Sonne nicht endlich alles Leid beleuchtet, und es gibt eine Stimme die spricht: „Fürchte Dich nicht…glaube.“,…

…dann kann ich nicht glauben.

Und es geschieht. Dem Thomas. Denen die an den Wassern von Babylon alles verloren haben und nur noch von Rache träumen: „ Hebt Eure Augen in die Höhe und seht.“ Gott gibt den Müden Kraft und ihre Seelen werden auffahren wie junge Adler.

Immer noch ist die (alte) Welt dunkel. Aber er ist mit seinem Kummer und seiner Mutlosigkeit hineingenommen in diesen Traum, der wahr wird: Leben bricht auf. Vielleicht nicht so triumphal wie er sich das denkt. Aber doch, immer noch und immer wieder, für das Volk Israel, für den Thomas, für Maria, und für die Frau, für die schon mit ihrer Flucht aus dem Haus der Gewalt ein neues Leben beginnt. 

Die Narben bleiben, offene Wunden auch und Enttäuschungen. Auch nach Ostern ist nicht gleich alles gut. Aber er kann wieder gehen, manchmal glaubt er zu fliegen als wäre er wieder jung, hebt seine Augen auf und sieht in allem das Versprechen eines leuchtenden Gottes, der nicht vergisst, wie auch den Glanz in den Augen der Kinder, und sei es wegen der Lackschuhe für die Kommunion.

„Was für eine Verwandlung, was für ein Zauber“ (Ransmayr), der selbst den Schmerz und den Tod und die Müdigkeit aufhebt zu Zeichen des Lebens.

Und ich hebe meine Augen auf und beginne zu sehen…

Amen

Lied: EG 110

1. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ,
Halleluja, Halleluja,
in deiner Urständ fröhlich ist.
Halleluja, Halleluja.

2. Das himmlisch Heer im Himmel singt,
Halleluja, Halleluja,
die Christenheit auf Erden klingt.
Halleluja, Halleluja.

3. Jetzt grünet, was nur grünen kann,
Halleluja, Halleluja,
die Bäum zu blühen fangen an.
Halleluja, Halleluja.

4. Es singen jetzt die Vögel all,
Halleluja, Halleluja,
jetzt singt und klingt die Nachtigall.
Halleluja, Halleluja.

5. Der Sonnenschein jetzt kommt herein,
Halleluja, Halleluja,
und gibt der Welt ein' neuen Schein.
Halleluja, Halleluja.

6. Die ganze Welt, Herr Jesu Christ,
Halleluja, Halleluja,
in deiner Urständ fröhlich ist.
Halleluja, Halleluja.

Gebet

Du Auferstandener,
Christus,
unsichtbar in unserer Mitte.
Zu dir beten wir.
Du bist das Leben.
Du hast dem Tod die Macht genommen.
Doch wir erleben,
wie der Tod immer noch nach uns greift.
Wir bitten um
dein Leben für die, die gegen den Tod ankämpfen,
dein Leben für die, die dem Tod ausgeliefert werden,
dein Leben für die, deren Kräfte versiegen.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Glauben.
Christus, du Auferstandener.
Du bist das Leben.
Du schenkst den Frieden, der die Welt überwindet.
Doch wir erleben,
wie weiter Unfriede herrscht.
Wir bitten um
deinen Frieden für die Menschen in Syrien,
deinen Frieden für alle, die eingesperrt und bedrängt werden,
deinen Frieden in unseren Häusern und Familien,
in unserer Nachbarschaft,
in unserem Land.
Nimm uns die Angst.
Schenk uns Frieden.
Christus, du Auferstandener.
Du bist das Leben.
Du gibst den Müden Kraft.
Du lässt uns aufatmen.
Wir danken dir
für den Atem,
für die Menschen an unserer Seite,
für den Glauben und dein Wort.
Dir vertrauen wir diese Welt an.
Dir vertrauen wir uns an.
Du bist das Leben. Halleluja.

Amen.
(Wochengebet zu Quasimodogeniti, velkd.de)

Vater unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

„Heute bin ich groß.“ Das hat die damals fünfjährige Pauline vor genau einem Jahr gesungen.
Und so groß, so segnet uns Gott:

Der EWIGE segne Dich und behüte Dich.
Der EWIGE lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig.
Der EWIGE hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir Frieden.
Amen

 

Hier folgt der Link zum aufgezeichneten Gottesdienst auf YouTube:

https://www.youtube.com/watch?v=fDljXvGagzw&feature=youtu.be

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