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st. marien

Ihre Kirchengemeinden in Parchim & Damm

Andacht für den Sonntag Jubilate, 03.05.2020

1. Mai 2020 - 15:33 -- Robert Stenzel

Andacht für den 3. Sonntag nach Ostern „Jubilate“ am 03.05. 2020 
Ev. Kirchen in Parchim
Vikarin Andra Bock

Diesen Gottesdienst können Sie auf Video verfolgen und mitfeiern: https://youtu.be/62MhIffT2SY  


Votum und Begrüßung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. 

Jubilate! Freuet euch! Das ist das Thema dieses Sonntages. Der Wochenspruch steht im zweiten Korintherbrief im fünften Kapitel: "Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden."

Eingangslied:  Wir wollen alle fröhlich sein (EG 100, 1+4-5)

1. Wir wollen alle fröhlich sein
in dieser österlichen Zeit;
denn unser Heil hat Gott bereit´.
Halleluja, Halleluja,
Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.

2. Es singt der ganze Erdenkreis
dem Gottessohne Lob und Preis,
der uns erkauft das Paradeis.
Halleluja, Halleluja,
Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.

3. Des freu sich alle Christenheit
und lobe die Dreifaltigkeit
von nun an bis in Ewigkeit. 
Halleluja, Halleluja,
Halleluja, Halleluja,
gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Kyrie

Lasst uns den Herrn anrufen, zu dem wir seit der Taufe gehören: 
Herr Jesus Christus, du bist der rechte Weinstock.
Kyrie, Kyrie eleison. Kyrie, Kyrie eleison. (EG 178.12)
Du lässt uns wachsen als Reben an dir.
Kyrie, Kyrie eleison. Kyrie, Kyrie eleison. (EG 178.12)
Wer an dir bleibt, wird Frucht bringen.
Kyrie, Kyrie eleison. Kyrie, Kyrie eleison. (EG 178.12)

Gloria

Ehre sei Gott in der Höhe! (EG 179)

Evangeliumslesung Joh 15, 1-8

Christus spricht: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,
Jubilate! Freuet euch! Jubelt über den Sieg des Lebens. Singt und lacht laut, denn so heißt es bei Jesaja: Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. 
Es fällt mich schwer zu jubeln und mich zu freuen. Erst vor ein paar Tagen habe ich einen Zeitungsartikel gelesen. Darin stand, dass Mitglieder einer Kirchengemeinde in den USA verstorben sind. Sie haben sich bei einer Chorprobe mit Corona angesteckt. Unfassbar! Eine traurige Nachricht. Dabei macht doch besonders das Singen so fröhlich und glücklich. Singen ist Ausdruck des Dankes und des Gotteslobes. Singen ist Jauchzen und Jubeln als Antwort auf die liebevolle Zuwendung Gottes. In Psalm 71 heißt es: Meine Lippen und meine Seele, die du erlöst hast, sollen fröhlich sein und dir lobsingen. 
Und genau so sollte es heute eigentlich sein, an diesem Sonntag „Jubilate“! Sie alle sollten eigentlich hier sein und St. Marien mit Ihrem Gesang voller Jubel ganz ausfüllen und zum Klingen bringen! Stattdessen stehe ich hier fast allein mit Mundschutz: Ein Geschenk, und sogar selbstgenäht. Trotzdem: Mit diesem Stück Stoff vor Mund und Nase kommt mir der Jubel irgendwie noch schwerer über die Lippen. Es ist schwierig, Gott zu loben und zu besingen mit einer Maske vor dem Gesicht. Seit dieser Woche gibt es bei uns die Maskenpflicht. Die Maske soll nicht mich, sondern andere vor Ansteckung schützen. Aber kann sie das? Über Sinn und Unsinn dieser Maßnahme streiten sich die Virologen. Ich fühle mich unsicher. Nicht nur an diesem Punkt. Denn wenn ich in ein Geschäft gehe, sehe ich dort nur noch Masken und keine Gesichter. So vieles verschwindet hinter diesem Stück Stoff: Ich kann nicht mehr erkennen, ob die Kassiererin mich anlächelt. Nur die kleinen Lachfältchen um die Augen herum geben mir einen Hinweis darüber, was sich hinter der Maske tut. Ohne Worte erfahre ich vieles über mein Gegenüber, meine Freunde, meine Nachbarn. Ohne Maske kann ich sehen, was sie fühlen. Und mein Gesicht kann auf ihres reagieren und sagen: Ich verstehe deinen Schmerz, deine Wut, deine Freude und ich lache mit dir, fühle deinen Schmerz.  Mit der Maske vor dem Gesicht, wird mir all das genommen. Ich sehe kein Lachen und lächle nicht zurück. Die Menschen denen ich begegne, sind mir fremd geworden, alle sehen fast gleich aus mit der Maske. Ich erkenne sie kaum wieder, ich verstehe die Kassiererin im Supermarkt nicht mehr, und sie mich auch nicht. Die Maske soll schützen und bringt doch auch so viel Unsicherheit. Da sehne ich mich nach Sicherheit und echtem Schutz in all dem, was mich unsicher macht und mich ängstigt. Denn wann hat denn diese Krise ein Ende? Wann ist Sicherheit da, wann darf wieder gemeinsam gesungen werden zum Lob Gottes? Wann sehe ich wieder ein lächelndes Gesicht in den Geschäften? All das ist unsicher. Auch die Jünger Jesu waren zutiefst verunsichert. Schon bald wird Jesus nicht mehr unter ihnen sein. Was dann? Jesus durchbricht diese Unsicherheit und setzt ihr mit Worten ein Bild voller Hoffnung entgegen. Und so klingen diese Worte nach Johannes: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Mit diesem Bild nimmt Jesus die Maske vom Angesicht Gottes herunter und lässt uns erkennen, wer unser Gott ist. Er ist der Weingärtner der durch seinen Garten geht und ihn liebevoll pflegt. Gott, der Weingärtner, beseitigt das Chaos und macht Platz für die Schönheit seiner Schöpfung. In seinem Garten steht ein kräftiger Weinstock, der viele Reben mit prallen Trauben trägt. Gott sieht jede Rebe sogfältig an und reinigt sie, wie ein guter Winzer, der sich um eine reiche Ernte bemüht. Alle Reben sind mit dem Weinstock verbunden. Er gibt ihnen die Kraft und den Halt zum Leben. An ihm ist nichts, was Zweifel aufkommen ließe oder unsicher macht, denn Jesus Christus ist der wahre Weinstock. Der Plan Gottes, des Winzers, ist nicht darauf aus, dass seine Schöpfung weggeworfen wird und im Feuer verbrennt. Das ist nicht das Ziel, sondern wirklicher Schutz und wahre Rettung für die Unsicheren und die Schutzlosen. Johannes formuliert das so:  Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. (Joh 3, 17ff) Und die letzten Worte die Johannes Jesus sagen lässt zeigen, dass die Rettung bereits da ist. Es ist vollbracht. Gott ist in die Welt gekommen und hat sich dieser Welt gezeigt. Er will mit uns sein und spricht: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. In diesen Worten liegt ein Weg, den Gott schenkt - eine Verbindung zu ihm wie Reben am Weinstock. So kann ich du sagen: Du, mein Gott. Ohne Maske hat er sich dem Leid, und der Unsicherheit, der Schutzlosigkeit und dem Schmerz ausgesetzt und ihre Macht gebrochen, damit seine Geschöpfe das neue Leben haben - einen neuen Himmel und eine neue Erde. Dringt denn das neue Leben auch jetzt durch die Schutzmaske hindurch? Wäre ich mit Gott in einer Videokonferenz, würde ich sagen: Die Verbindung ist gerade schlecht. Einige Reben halten sich vielleicht noch gut am Weinstock, andere weniger. Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen ist. Jeder erlebt die Krise sicher anders. Aber manchmal kann ich einen stützenden Pfeiler gut gebrauchen. Einen der mich stützt, die Verbindung der Rebe zum Weinstock stärkt.  Bleibt in mir! sagt Jesus, der Weinstock.   Zu glauben, in Christus bleiben und die Verbindung zu halten kann anstrengend sein, so erlebe ich es gerade. Warum also in ihm bleiben und den Kontakt halten? In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, hatte ich einmal ein Gespräch mit einem Mann, der auf diese Frage eine ganz einfache Antwort hatte: „Ihr Gläubigen kommt irgendwie besser mit Krisen klar“, sagte er. In diesem Moment stimmte dieser Satz für mich, denn ich hatte dem Mann erzählt, wie fremd ich mich zunächst fühlte als ich mit 15 Jahren von der Stadt ins Dorf umzog und wieviel Geborgenheit mir dabei der Glaube gegeben hat. Heute sage ich: Mit Krisen komme ich vielleicht durch meinen Glauben nicht besser zurecht, aber anders. Sie erscheinen mir in einem anderen Licht. Weil ich erfahren habe, dass mich einer erkennt, wenn mir alles so fremd erscheint, dass ich mich selbst nicht mehr kenne. Einer, der unter meine Maske schaut und mich sieht. Einer, zu dem ich sagen kann: Du, mein Gott! So, wie er zu seiner Gemeinschaft sagt: Ihr seid meine Freunde.
Und so kann ich es rufen, wenn auch still und nicht so laut wie sonst: Jubilate!
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Predigtlied Er ist erstanden (EG 116, 1+4-5)

1. Er ist erstanden, Halleluja!
Freut euch und singet, Halleluja! 
Denn unser Heiland hat triumphiert,
all seine Feind gefangen er führt.
Laßt uns lobsingen vor unserem Gott, 
der uns erlöst hat vom ewigen Tod. 
Sünd ist vergeben, Halleluja!
Jesus bringt Leben, Halleluja!

2. „Geht und verkündigt, daß Jesus lebt,
darüber freu sich alles, was lebt.
Was Gott geboten, ist nun vollbracht,
Christ hat das Leben wiedergebracht.“
Laßt uns lobsingen vor unserem Gott,
der uns erlöst hat vom ewigen Tod. 
Sünd ist vergeben, Halleluja!

3. Er ist erstanden, hat uns befreit;
Dafür sei Dank und Lob allezeit.
Uns kann nicht schaden Sünd oder Tod,
Christus versöhnt uns mit unserm Gott.
Laßt uns lobsingen vor unserem Gott,
der uns erlöst hat vom ewigen Tod.
Sünd ist vergeben, Halleluja!

Gebet

Gott du Schöpfer allen Lebens,
Uns fehlt die Gemeinschaft untereinander. So vieles ist fremd und unsicher. Stärke unseren Glauben und hilf uns in deinem Wort zu bleiben. Belebe uns, wecke uns auf aus aller Verzagtheit, dass wir den Mut haben zu glauben und auferstehen zum Leben mit dir. Durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Der Segen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes komme über euch und bleibe bei euch, jetzt und alle Zeit. Friede sei mit euch.

©Vikarin Andra Bock

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