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st. marien

Ihre Kirchengemeinden in Parchim & Damm

Andacht für den Sonntag Rogate, 17.05.2020

17. Mai 2020 - 9:10 -- Robert Stenzel

Andacht für
den fünften  Sonntag nach Ostern
Rogate
17. Mai 2020

Ev. Kirchen in Parchim

Peter Stockmann, Pastor

Votum und Begrüßung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Eingangslied Morgenglanz der Ewigkeit (Ev. Gesangbuch Nr. 450)

1. Morgenglanz der Ewigkeit, / Licht vom unerschaffnen Lichte,
schick uns diese Morgenzeit / deine Strahlen zu Gesichte
und vertreib durch deine Macht / unsre Nacht.

2. Deiner Güte Morgentau / fall auf unser matt  Gewissen;
lass die dürre Lebens-Au / lauter süßen Trost genießen
und erquick uns, deine Schar, / immerdar.

Psalmgebet aus Psalm 95

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft , Halleluja; noch seine Güte von mir wendet. Halleluja! (Psalm 66,20)

Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken *
und jauchzen dem Hort unsres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen *
und mit Psalmen ihm jauchzen!

Kommt, lasst uns anbeten und knien *
und niederfallen vor dem HERRN,
der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott  *
und wir das Volk seiner Weide.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie im Anfang, jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Tagesgebet

Erbarmender Gott,
du hast uns verheißen, dass du uns geben willst,
was wir im Namen deines Sohnes erbitten.
Lehre uns, so zu beten, dass wir alle Hilfe von dir erwarten.
Durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unsern Herrn,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht
von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Epistellesung Erster Brief des Paulus an Timotheus, Kapitel 2, Verse 1-6

So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott , unserm Heiland, welcher will, 
dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 
Denn es ist ein Gott  und ein Mittler zwischen Gott  und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung, dass dies zu seiner Zeit gepredigt werde.

Antwort der Orgel (Ev. Gesangbuch Nr. 367) als Gebetstext zum Mitlesen:

Herr, wie du willst, so schick's mit mir
im Leben und im Sterben;
allein zu dir steht mein Begier,
lass mich, Herr, nicht verderben.
Erhalt mich nur in deiner Huld,
sonst wie du willst; gib mir Geduld,
denn dein Will ist der beste.

Evangelienlesung Evangelium nach Lukas Kapitel 11, Verse 5-13

Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben.
Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf. Und ich sage euch auch: Bitt et, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.
Denn wer da bitt et, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft , dem wird aufgetan.
Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.

Predigt

Liebe Gemeinde,
beten Sie? Und wenn ja, wie?
Es gibt die, die in ihrem Kämmerlein beten. Ganz still für sich allein. Aber es gibt auch andere, die gern in Gesellschaft beten. Neulich erst hatte ich ein Gespräch – zur Zeit natürlich am Telefon – mit Gemeindemitgliedern. Die zu Hause gemeinsam Gebete sprechen, besonders mit vertrauten Besuchern.
Das Beten. Es gibt viele Formen. Mit freien Worten, das, was mir durchs Herz geht. Mit festen Worten, als Stoßgebet, herausgeworfen, es bricht sich Bahn.
Oder als freies, öffentliches Gebet. In anderen Gemeinden erwünscht als bestimmte Form, zu Gott  zu sprechen. Hier zum Beispiel zu hören, wenn der letzte Gebetsabend der Allianzgebetswoche stattfindet. Mit Lob, Dank und Bitte. Manchmal auch alles zusammen. Immer geht es um Worte, die an Gott  gerichtet sind. Der heutige Predigttext findet sehr klare Worte zum Gebet.

- lesen Mt 6, 5-15 -

Und da ist noch eine Art, zu beten. Die verbreitetste in der Christenheit. Das Vaterunser.
Und damit komme ich zu einem, der Arzt war und uns heute vielleicht viele Dinge zu sagen hätte. Ich lasse das Wort mit dem C aber heute weg, es wird oft  genug gesagt. Er war ein besonderer Mensch, weil er Dinge gesagt oder getan hat, die heute selbstverständlich sind. Er hat sich für Tierschutz eingesetzt, als das Wort „Massentierhaltung“ noch unbekannt war. Er hat das Ende der atomaren Rüstung in der Welt gefordert, als es noch kaum den „Kalten Krieg“ gegeben hat. Er hätte viele Karrieren machen können, als Theologe, Professor oder als Künstler. Stattdessen aber ist er in den Dschungel in Westafrika gezogen und hat ein Krankenhaus für die einheimische Bevölkerung aufgebaut. Albert Schweitzer wurde dann auch damit sehr bekannt. Aber das war nie sein Antrieb. Offensichtlich hat er danach nicht gesucht. Stattdessen hat ihn die Nachfolge Jesu getrieben. Und sein Leben lang war er davon überzeugt, dass das Reich Gott es nahe ist und bald endlich vollständig wird. Bis dahin gibt es zu tun.
Zitat: „Der Glaube an das Reich Gott es ist das Größte und Schwerste, was der christliche Glaube zu leisten hat.“ 
Und da ist das Vaterunser, das Gebet aus dem heutigen Bibeltext für die Predigt. Denn da gehört es hin, in die Erwartung des Reiches Gottes.
In einer stillen Kammer, im Herzen, da, wo man allein ist. Hier steht völlig klar, dass es beim Beten nicht auf laute Öffentlichkeit ankommt. Die wird sogar kritisiert, schnell entsteht dabei Geheuchel, wenn die Rede mit Gott nebenbei auch noch eine Ansage an andere Menschen ist. 
Es ist wie ein gutes Zuhause, das in uns drin ist. Egal, wo ich mich befinde. Es bleibt das ganze Leben lang ganz nahe, selbst, wenn wir alt und grau sind. Ich kann nicht aufzählen, wie oft  ich schon erlebt habe, dass sogar schwerst demenzkranke Bewohner im Heim beim Vaterunser plötzlich mitsprechen. Dieses Zuhause bleibt, selbst wenn alles andere gegangen ist. Jesus hat einmal gesagt: „Das Reich Gott es geschieht ebenso in euch wie mitten unter euch.“ Das Zuhause ist ein stilles im eigenen Herzen. Und eines, in dem es viele Andere gibt. Menschen aus Zeiten und Räumen, die sich mit ihren stillen Kammern treffen und verstehen.
Es braucht verborgene, höchst eigene Räume. Ohne sie kann niemand öffentlich sein. Ohne meine innere Geborgenheit bin ich verloren zwischen den vielen Stimmen und Tönen. Es ist wie eine innere Vorratskammer, ganz privat. Sie ist nötig für die körperliche und seelische Gesundheit. Sie ist ein Geschenk für das Leben. Was für ein Segen, wenn das Vaterunser da drin ist. Für alle Zeiten.
Das Innere: Eine Gefahr gibt es damit auch. Wie leicht können Menschen einander mit dem, was vorgeblich in ihnen ist, täuschen. Man kann sich gegenseitig etwas vormachen und einander damit gefährlich werden. Von Verletzungen bis hin zur Verführung.
Wie schwer ist es, so empathisch zu sein, um den anderen nicht nur zu sehen und zu hören, sondern auch zu spüren. Wie viel Leid und Unglück ist schon entstanden, wenn der eine dem anderen unehrlich ist. Es braucht einen guten Weg zwischen der Offenheit mit dem, was drinnen ist. Und dem Schutz von den intimsten Dingen. Dabei hilft  es, nicht allein zu sein. Beten ist ein Weg, in der inneren Kammer zu sprechen – und Gehör zu 
finden. Beten hat eine Richtung. Aus mir selbst heraus. Nicht in die Richtung zu anderen. Sondern zu Gott. Und der sieht und hört es alles, das Ehrliche und das Gelogene, das Gesagte und das Verschwiegene. Zum Guten und zum Bösen. 
Heute, im Zeitalter von Sozialen Medien, Kommentare und Tweets gibt es Dinge, die in der Zeit von Albert Schweitzer noch unvorstellbar gewesen sind. Hassbotschaften aus dem Anonymen und Shitstorm sind Begriffe, die es noch nicht sehr lange gibt und die nicht wieder verschwinden werden. Die Welt ist seit der Erfindung von Smartphones und der sozialen Medien anders geworden. Sie wird es bleiben. Braucht es ein Korrektiv? Bestimmt. Und das sehe ich in den Wir-Bitt en des Vaterunsers. Auch, wenn Beten etwas Privates ist, ist Gott  doch „unser“ Gott. Von uns allen, nicht nur meiner und deiner.
Vater unser im Himmel. Ich bin zwar ich, aber nicht allein auf der Welt. Da sind die anderen mit den gleichen Rechten und Pflichten. Auch dem Recht, anders zu sein. Ein Leben mit dem gemeinsamen Schöpfer macht aus uns eine Herde, eine Gruppe. 
Und ganz besonders in der Bitte um Vergebung. Und vergib uns unsere Schuld – wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Jeder von uns ist zugleich gerecht und aufrecht. Und Sünder und gekrümmt. Schulden gegenüber anderen bedeuten Ansprüche. Jeder Mensch, jede Frau und jeder Mann, ist selbst verschuldet und auch Gläubiger. 
Wo das erlassen wird, wo Schulden vergeben werden, ohne dass aufgerechnet und kalkuliert wird: Da werden Menschen zu einer neuen Zukunft entbunden. Frei für das Leben. Und diese Freiheit, die beginnt in der stillen Kammer, im eigenen Herzen. 
Gott macht frei zum Beten. Ohne Verpflichtung, schon gar nicht gegenüber anderen, die Gebete hören mögen, die nur für Gott bestimmt sind. Wer laut beten will, soll das tun. Aber jeder Druck beim Beten macht daraus aber etwas Vermenschtes.
Gottes Wille geschehe: Dein Wille geschehe. Lasst uns das im Herzen tragen. Jeden Tag. Wer weiß, in welchen Dschungeln wir dann etwas Neues schaffen. 
Amen.

Fürbittengebet

Gott, wir bitten dich für alle, die beten. Höre alle Worte, sieh alle Blicke, sei nahe bei allen Menschen.
Gott, wir bitten dich für alle, denen das Gebet fehlt. Verleihe ihnen Worte und den Mut, zu sagen, was sie sagen müssen.
Gott, wir bitt en dich für diejenigen, die vor lauter Worten nicht dazu kommen, dich zu hören. Die Ängstlichen, die Lauten, die allzu Sicheren. Schenke Vertrauen.
Gott, wir bitten dich für alle Christen in der ganzen Welt, gerade da, wo Beten gefährlich ist. Du kannst die Welt ändern.
Gott, wir bitten dich, am Sonntag des Gebets: Höre unsere stillen Gebete.

Vaterunserlied / Wochenlied Vater unser im Himmelreich (Ev. Gesangbuch Nr. 344)

1. Vater unser im Himmelreich, / der du uns alle heißest gleich
Brüder sein und dich rufen an / und willst das Beten von uns han:
gib, dass nicht bet allein der Mund, / hilf, dass es geh von Herzensgrund.

2. Geheiligt werd der Name dein, / dein Wort bei uns hilf halten rein,
dass auch wir leben heiliglich, / nach deinem Namen würdiglich.
Behüt uns, Herr, vor falscher Lehr, / das arm verführet Volk bekehr.

3. Es komm dein Reich zu dieser Zeit / und dort hernach in Ewigkeit.
Der Heilig Geist uns wohne bei / mit seinen Gaben mancherlei;
des Satans Zorn und groß Gewalt / zerbrich, vor ihm dein Kirch erhalt.

4. Dein Will gescheh, Herr Gott , zugleich / auf Erden wie im Himmelreich.
Gib uns Geduld in Leidenszeit, / gehorsam sein in Lieb und Leid;
wehr und steu'r allem Fleisch und Blut, / das wider deinen Willen tut.

5. Gib uns heut unser täglich Brot / und was man b'darf zur Leibesnot;
behüt uns, Herr, vor Unfried, Streit, / vor Seuchen und vor teurer Zeit,
dass wir in gutem Frieden stehn, / der Sorg und Geizens müßig gehn.

6. All unsre Schuld vergib uns, Herr, / dass sie uns nicht betrübe mehr,
wie wir auch unsern Schuldigern / ihr Schuld und Fehl vergeben gern.
Zu dienen mach uns all bereit / in rechter Lieb und Einigkeit.

7. Führ uns, Herr, in Versuchung nicht, / wenn uns der böse Geist anfi cht;
zur linken und zur rechten Hand / hilf uns tun starken Widerstand
im Glauben fest und wohlgerüst' / und durch des Heilgen Geistes Trost.

8. Von allem Übel uns erlös; / es sind die Zeit und Tage bös.
Erlös uns vom ewigen Tod / und tröst uns in der letzten Not.
Bescher uns auch ein seligs End, / nimm unsre Seel in deine Händ.

9. Amen, das ist: es werde wahr. / Stärk unsern Glauben immerdar,
auf dass wir ja nicht zweifeln dran, / was wir hiermit gebeten han
auf dein Wort, in dem Namen dein. / So sprechen wir das Amen fein.

Segen

Es segne uns Gott, der Allmächtige und Barmherzige, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

© Peter Stockmann, Parchim

 

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