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st. marien

Ihre Kirchengemeinden in Parchim & Damm

Andacht zu Christi Himmelfahrt, 21.05.2020

23. Mai 2020 - 12:41 -- Robert Stenzel

Andacht für Christi  Himmelfahrt
Ev. Kirchen in Parchim
Donnerstag, 21. Mai 2020  um 10.00 Uhr
Jessica Warnke-Stockmann, Pastorin

Votum und Begrüßung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Eingangslied Wie lieblich ist der Maien (Ev. Gesangbuch Nr. 501, 1-3)

1. Wie lieblich ist der Maien / aus lauter Gottesgüt,
des sich die Menschen freuen, / weil alles grünt und blüht.
Die Tier sieht man jetzt springen / mit Lust auf grüner Weid,
die Vöglein hört man singen, / die loben Gott mit Freud.

2. Herr, dir sei Lob und Ehre / für solche Gaben dein!
Die Blüt zur Frucht vermehre, / lass sie ersprießlich sein.
Es steht in deinen Händen, / dein Macht und Güt ist groß;
drum wollst du von uns wenden / Mehltau, Frost, Reif und Schloß'.

3. Herr, lass die Sonne blicken / ins finstre Herze mein,
damit sich's möge schicken, / fröhlich im Geist zu sein,
die größte Lust zu haben / allein an deinem Wort,
das mich im Kreuz kann laben / und weist des Himmels Pfort.

Psalmgebet aus Psalm 47(im Wechsel gesprochen)

Alle (A): Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Halleluja! (Leitvers aus Ofb  5, 13)

L: Ihr Völker alle, klatscht in die Hände *
und jauchzet Gott  mit fröhlichem Schall!

A: Gott  fährt auf unter Jauchzen, *
der HERR beim Hall der Posaune.

L: Denn Gott  ist König über die ganze Erde; *
lobsingt ihm mit Psalmen!

A: Gott  ist König über die Völker, *
Gott  sitzt auf seinem heiligen Thron. (Ps 47, 3.6.8-9)

L: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Halleluja!

Tagesgebet

Allmächtiger Gott , dein eingeborener Sohn, unser Erlöser, ist am heutigen Tag aufgefahren in den Himmel: Nimm auch uns einst auf in dein himmlisches Reich, dass wir seine Herrlichkeit schauen und uns seiner Herrschaft freuen. Der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Epistellesung Apostelgeschichte Kapitel 1, Verse 3-11

Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gott es. Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft  werden nicht lange nach diesen Tagen. Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Wochenlied Jesus Christus herrscht als König (Ev. Gesangbuch Nr. 123)

1. Jesus Christus herrscht als König, / alles wird ihm untertänig,
alles legt ihm Gott  zu Fuß. / Aller Zunge soll bekennen,
Jesus sei der Herr zu nennen, / dem man Ehre geben muss.

7. Gebt, ihr Sünder, ihm die Herzen, / klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen,
sagt, ihr Armen, ihm die Not. / Wunden müssen Wunden heilen,
Heilsöl weiß er auszuteilen, / Reichtum schenkt er nach dem Tod.

9. Ihnen steht der Himmel offen, / welcher über alles Hoffen,
über alles Wünschen ist. / Die geheiligte Gemeine
weiß, dass eine Zeit erscheine, / da sie ihren König grüßt.

Evangelienlesung nach Lukas Kapitel 24, Verse 50-53

Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott. 

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritt en Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gott es,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.

Predigt

Liebe Gemeinde, 
Was für ein Tag! Endlich! Wir singen, wir musizieren, wir müssen nicht zählen und möglicherweise den einundfünfzigsten (so wäre es bei der Rechnung in Marien gewesen) zurückweisen. Es feiern auch noch beide Gemeinden zusammen. Was für ein Tag. Der Pfarrgarten steht off en, wir singen, die Posaunen spielen, wir tragen keinen Mundschutz. Für mich bedeutet das einen großen Gewinn an Nähe und Freiheit. Ich weiß, dass manche wegen des Mundschutzes nicht zum Gottesdienst kommen wollten. Verständlich. Ich glaube in der Erleichterung und Freude sind wir uns einig. Wir sind eins. Was für ein Fest. Eins sein in der Kirche. Was bedeutet das? Außer gemeinsam feiern? Gemeinsam in Gremien sitzen. Gemeinsam Texte schreiben. Was heißt eins sein. Der Predigttext führt uns da in eine Richtung, die mal absehen lässt von unserem Kleinkram.
Jesus betet. Kurz vor seiner Festnahme wendet er sich an den Vater. Er hatte zuvor bei seinem Vater für seine Jünger gebetet. Ich bitte dich, dass du sie bewahrst vor dem Bösen  zum Beispiel. Dann wendet er sich einer anderen Gruppe zu, für die er bei Gott Fürbitte hält. Das ist unser Text aus Johannes 17.

20 Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, 
21 dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. 
22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, 
23 ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. 

Die Glaubenden sollen auf immer verbunden sein so wie Christus mit Gott verbunden ist. Sie sollen von Gott geliebt sein, wie auch er selbst Christus von ihm geliebt wird. Das ist die Fürbitte Jesu vor seinem Vater. Was folgt ist keine Fürbitte mehr. Es ist eine Forderung. Ein solcher Tonfall Jesu gegenüber seinem Vater ist einmalig im Neuen Testament.

24 Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. 
25 Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 
26 Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

Jesus fordert. Und er appelliert an die Gerechtigkeit Gott es. Er will die Beziehung, die er in der Welt zu den Menschen hatte nicht aufgeben. Er möchte die Versprechen einhalten, die er seinen Jüngern gegeben hat. Ihr werdet sitzen zu meiner Rechten und zu meiner Linken zum Beispiel.
Der letzte Satz bringt es auf den Punkt: ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen. Das weist auf Pfingsten hin. Der Text steht noch vor der Verurteilung Jesu, aber er weist schon auf die Zeit hin, in der Jesus nicht mehr da sein wird. Ich gehe in den Tod, aber die Verbindung steht und soll bestehen bleiben. Das fordert Jesus regelrecht vom Vater. 
So steht es geschrieben – von Johannes, dem Theologen, der wohl ein wichtiger Mann seiner Gemeinde war. Er sah die Gemeinde auseinanderfallen. Links und rechts kamen Lehrer, die die Gemeinde durcheinander brachten. Es ging nicht um organisatorisches. Die Zeit in der Christen sich von der Synagoge lösten und neue Räumlichkeiten suchten war längst vorbei. Es ging um den Glauben. Es ging um die Beziehung zu Gott. Da drohte die Gemeinde auseinander zu fallen. Das ist viel existentieller als die Fragen nach Recht, Gesetz, Raum und Zeit. Eins sein heißt: Eins sein mit Gott  und Christus, so wie Christus und Gott eins sind. Dazu wurde der Gemeinde der Heilige Geist gesandt. Eigentlich sind sie dazu in der Lage, denn er ist gesandt um sie zu einen in einer Sprache.
So haben wir drei Beziehungen: 
- Jesus und sein Vater im Gebet
- Johannes in Auseinandersetzung mit seiner Gemeinde.
Und wir heute im Pfarrgarten unter freiem Himmel und die, die diese Predigt lesen.
In welche Stimmung fällt der Text heute? Stehen sie eher im Gebet Jesu zu seinem Vater? Bei Johannes, der sich um seine Gemeinde sorgt oder ein Gemeindeglied, das von verschiedenen Seiten beeinflusst werden soll ? Was bewegt? Was eint? Was trennt? Und vor allem: Legen wir unser Augenmerk auf das wesentliche oder weht es an uns vorbei ohne bemerkt zu werden? Ich werde alt und frage mich irgendwann: Habe ich mich um das wirklich wesentliche bemüht oder habe ich mich verloren in irrelevantem Kleinkram. Kleinkram, der vor Gott  keinerlei Bedeutung hat. Häuser, Gelder, Zeiten, Kompetenzen. Das ist Kleingläubigkeit. Wie traurig wäre das. Ich möchte meine Jahre nicht mit Fragen verbracht haben, die mit der Suche nach dem Einssein nichts zu tun haben. Und immer wieder frage ich mich selbst danach. Denn die Zeit rast. Die Jünger hatten sich aus Trauer, Frust und Angst zurückgezogen. Langsam aber haben sie begonnen zu begreifen, dass ihr Leben mit Jesus nicht vorbei ist. Zunehmend werden sie eins mit ihm und dem Vater. Sie sind in der Erwartung der ganz großen Hilfe, die Jesus Ihnen versprochen hatte. Die Hilfe, die sie trösten und einen würde. Dann erleben sie die seltsame Szene, die wir Himmelfahrt nennen.
Christus fährt vor ihren Augen gen Himmel. Mit Himmelfahrt beginnt der Weg auf Pfingsten zu. Wir erwarten den Heiligen Geists der uns versprochen ist. Himmelfahrt: Ein Fest zwischen Tür und Angel. Ein Fest zum tief Luft holen. Ein Fest für Zwischentöne. Ein Fest der Verwandlung. Himmelfahrt geht’s aufwärts. Und irgendwie passt das doch in das was jetzt gerade bewegt.
Hinter uns liegt eine Zeit in der wir uns zurückziehen mussten. Bleiben sie zuhause war das politische Motto und bald darauf auch das der Nordkirche. Die Glocken schwiegen, weil wir nicht mehr zum Gottesdienst rufen konnten. Die kleinsten Andachten haben wir beendet. Jeden Tag lauschten wir nach neuen Nachrichten. Und die kamen. Immer wieder neues. Die ganze Zeit in Erwartung. Wann werden wir wieder eins?
Und ich meine nicht das Organisatorische, so wie es auch Johannes nicht um Organisation ging. Eins sein im Glaubens, ganzheitlicher Kontakt zu Christus in Gott durch Wort, Gebet und eben Gesang. Und das in frei zugänglicher Gemeinschaft . Darauf haben wir gewartet. Abgesehen von den 1,50 Metern haben wir das heute. Ich bin dankbar. Ich hätt e nie gedacht wie existentiell wichtig im Gottesdienst die Ausgewogenheit von Wort und Musik ist. Und wie wichtig das Singen ist.
Wie es weiter geht wissen wir nicht. Aber heute ist heute. Mir ist selten so ein Lied in den Sinn gekommen wie dieses. Ich sing dir mein Lied.

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne, den Klang hast du mir gegeben
von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde,
du Quelle des Lebens, dir sing ich mein Lied.
Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne den Klang hast du mir gegeben
von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen
du Zukunft  des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Liebe Gemeinde, ich kriege auf meinem Handy immer ungefragt Eilnachrichten. Es lohnt gar nicht mehr darauf zu gucken. Die ersten vier betreffen Corona, dann kommt Wirtschaft und Sport. Ebenfalls mit Blick auf Corona. Gestern aber lese ich verblüfft: Dinosaurierknochen in Argentinien gefunden. Toll, habe ich gedacht. Das kommt ganz zur rechten Zeit. Andere Nachrichten schaffen es nach ganz oben. Wie in einer Hitparade. Was, wenn die Normalität wieder einzieht? Mir fällt vieles ein. Aber Himmelfahrt ist das Fest dazwischen. Das Fest zum Luft holen. Die neue Normalität. Das ist eine neue Predigt wert. Himmelfahrt geht es aufwärts. Erstmal.
Damit lade ich ein sich mit Leib und Seele in das folgende Lied zu begeben. Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben, die Töne den Klang hast du mir gegeben. Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft  und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Schlusslied Christ fuhr gen Himmel (Ev. Gesangbuch Nr. 120)

Christ fuhr gen Himmel. / Was sandt er uns hernieder?
Den Tröster, den Heiligen Geist, / zu Trost der armen Christenheit. / Kyrieleis.

Christ fuhr mit Schallen / von seinen Jüngern allen.
Er segnet' sie mit seiner Hand / und sandte sie in alle Land. / Kyrieleis.

Halleluja, Halleluja, Halleluja! / Des solln wir alle froh sein,
Christ will unser Trost sein. / Kyrieleis.

Segen

Es segne uns Gott, der Allmächtige und Barmherzige, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

© Jessica Warnke-Stockmann, Parchim

 

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