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st. marien

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Andacht zum Hirtensonntag, 26.04.2020

25. April 2020 - 19:02 -- Robert Stenzel

Gottesdienst zum Sonntag Misericordias Domini 2020 
Der „Sonntag des guten Hirten“

Diesen Gottesdienst können Sie auf Video verfolgen und mitfeiern: https://youtu.be/DQ5ynm1i6yk

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen

„Misericordias Domini“ – so heißt dieser Sonntag. ein lateinisches Wort aus dem Psalm 89: „Ich will singen von der Gnade des Herrn“ 
Es heißt auch der „Sonntag des guten Hirten“. So lautet sein Leitvers aus dem Johannesevangelium:

Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Joh 10, 11a. 27-28a)

Psalm 23
Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des HERRN immerdar.

Gloria Patri

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen.

Evangelium Johannes 10,11-16 Der gute Hirte

11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 12 Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –, 13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. 14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. 16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden. 

Wochenlied: EG 358,1+6 Es kennt der Herr die Seinen

1) Es kennt der Herr die Seinen und hat sie stets gekannt, 
die Großen und die Kleinen in jedem Volk und Land. 
Er lässt sie nicht verderben, er führt sie aus und ein; 
im Leben und im Sterben sind sie und bleiben sein.

5) So hilf uns, Herr, zum Glauben und halt uns fest dabei; 
lass nichts die Hoffnung rauben; die Liebe herzlich sei! 
Und wird der Tag erscheinen, da dich die Welt wird sehn, 
so lass uns als die Deinen zu deiner Rechten stehn!

Predigt am Hirtensonntag 2020

Der Friede Gottes sei mit euch allen, Amen.

Liebe Gemeinde
Überall höre ich Stimmen in dieser Zeit.
Stimmen, die mir sagen, wie mein Leben zu sein hat.

Ich höre Stimmen: Du darfst jetzt das. Das darfst du nicht. Ich höre Stimmen: Haltet Abstand tragt Mundschutz.
Ich höre Stimmen: Nehmen sie sich einen Einkaufswagen. Ich höre Stimmen: Lasst uns eine Videokonferenz machen. Ich höre Stimmen: Wir müssen dies, wir müssen das. Ich höre Stimmen, die jonglieren mit Zahlen.
Stimmen, die mir erklären, wann wir unter welchen Bedingungen Gottesdienst feiern dürfen.
Stimen, die erklären, wie Kirche im Netz funktioniert.
Stimmen, von denen mir der Kopf schwirrt. Stimmen, die ich gar nicht mehr hören will, die mir nicht weiterhelfen. Sorgenvolle Stimmen, agressive Stimmen, kämpferische Stimmen. Stimmen, die mich stressen. Stimmen, die mir nicht gut tun.
In meinem Kopf ruft es: Lasst mich doch zufrieden. Ich will Stille. Ruhe. 
Gestern sagte meine innnere Stimme nach drei Videokonferenzen: „Ich brauche jetzt etwas, was mir richtig gut tut.“ - Es war dann ein Waldspaziergang. Die Stimmen des Waldes beruhigen.

Dann lese ich den biblischen Wochenspruch für diesen Sonntag aus dem Johannesevangelium und höre wieder eine Stimme: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Dieses Wort ist Jesus in den Mund gelegt. Es gehört zum Predigttext, den wir vorhin gehört haben. Es ist die sogenannte Hirtenrede. Die Rede beschreibt das Verhältnis Jesu zu seinem Vater sowie das Verhälnis zu seiner Gemeinde und umgekehrt.
Diese Stimme stresst mich nicht. Sie spricht mich an. Sie zieht mich regelrecht an. Warum? Es ist kein Wort, das fordert. Es ist kein Verbot und keine Warnung, keine Statistik, keine Prognose.
Es ist eine Stimme, die ich nicht hinterfragen muss, die keine Skepsis oder Misstrauen verlangt.
Nein: Es ist das Wort eines Hirten, der es gut mit mir meint. Uneigennützig, nicht berechnend, nicht wahlkämpfend.

Und offensichtlich ist die Sache klar und unabänderlich: Wenn ich diese Stimme höre, werde ich ihr folgen und sie wird mich führen an einen Ort, der gut tut. Er gibt mir das ewige Leben.
Was auch immer das sein mag. Es klingt Verheißungsvoll.  

Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Der Evangelist Johannes hat dieses Wort seiner Gemeinde aufgeschrieben, weil auch sie von vielen Stimmen heimgesucht wurden. Sie wussten nicht mehr so recht, woran sie sich orientieren sollten. Jesu Tod war schon einige Zeit her, seine Wiederkehr war nicht mehr absehbar und neue Prediger kamen in den Ort. Bange Fragen nach der wirklichen Wahrheit kamen auf. Welcher Stimme sollen wir folgen? Johannes beruhigt sie mit Jesu Wort: Wenn ihr ihn hört, werde ihr ihm folgen.

Dieses Wenn macht mir Sorgen. Wenn wir es hören!

Ich könnte einstimmen in das Gebet von Lothar Zanetti, das er zu diesem Text geschrieben hat:

Herr, lass mich deine Stimme herausho?ren 
aus all den Reden von Ansagern und Werbefritzen,
von Meinungsmachern und Nachbarn.
Aus all dem Geschwa?tz, dem lauten und leeren und
sinnlosen und endlosen Gerede
lass mich deine Stimme herausho?ren, Herr.

Was ist sie nun die Stimme, die mich ins ewige Leben führt? Wo ist sie zu hören, dass ich ihr folgen könnte? Ich weiß es nicht. Nur: Wenn ich im Rückblick auf mein Leben schaue, denke ich an Momente in denen ich genau zur rechten Zeit am richtigen Ort war.
Ereignisse bei denen ich plötzlich wusste: Genau das musst du tun. So und nicht anders. Momente, in denen mir im richtigen Moment der richtige Mensch begegnet ist. 
Da mag die Stimme im Spiel gewesen sein, von der Johannes spricht. Vielleicht war ich genau dort so ein Schaf, das geführt durch den guten Hirten, den richtigen Weg eingeschlagen ist.

Die verwirrenden Stimmen in meinem Kopf sind noch da. Das Elend geht noch einige Zeit weiter. Es gilt auszuhalten. Doch ein wenig Ruhe ist eingekehrt. Wir loben und danken, wir klagen vor Gott. Unser Stimmen fließen zusammen – sie künden von einer anderen Dimension. 

Ich freue mich, wenn wir wieder gemeinsam, nebeneinander sitzend unsere Stimmen erheben können um zum Herrn zu singen wie es das folgende Lied besingt.
„Du, meine Seele singe, wohlauf und singe schön dem Schöpfer aller Dinge.“

Amen.

Predigtlied: Du meine Seele singe 

1) Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd;
ich will Ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.
2) Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil!
Wer dem sich anvertrauet, / der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, / den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig ungetrübt.

Fürbitten 

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Zeig uns den Weg.
Zeig ihn denen, die uns regieren,
die über uns bestimmen, die unser Wohl wollen.
Herr, erbarme dich.

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Schau auf die Menschen, die keinen Ausweg sehen -
auf der Flucht, in Lagern, im Krieg.
Schau auf die Menschen, die kein Zuhause haben,
wo sie Schutz finden. Und schau auf die,
für die der Schutzraum zur Gefahr wird.
Herr, erbarme Dich.

Du guter Hirte, Jesus Christus. Führe mich auf rechter Straße um deines Willens.
Amen.

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Segen

Es segne und behüte euch, Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, Amen

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